Ich möchte wieder was abfeuern. Brisantes ist auch in Vorbereitung, dauert aber noch. Wer sich die Wucherungen der Wartezeit stutzen möchte, kann ja derweil in meiner Arbeit über die Wahrnehmung weiblicher (aber nicht nur!) Körperbehaarung zwischen Ekel und Fetisch herumstöbern. Wie schon beim preisgekrönten Beitrag "Die Zähmung der Kreativität durch die Disziplinargesellschaft" handelt es sich auch hierbei um einen Text, der für die Alma Mater entstanden ist, vor etwa einem Dreivierteljahr. Kein Blogeintrag im eigentlichen Sinne also, habe das Material aber entsprechend abgeändert (z.B. sind die meisten Fußnoten weg). Have Fun, und sag bescheid, wenn du Anmerkungen hast oder eine andere Meinung. :D
Die diskursive Konstruktion und Inszenierung von Attraktion und Aversion.
Eine soziologische Untersuchung am Beispiel weiblicher Körperbehaarung.„What is Julia thinking? The only place men want to see hair is on a woman’s head. Under the arms is unacceptable. From hairy armpits it is only a small step to the Planet of the Apes.”
Dieses Zitat stammt von Tom Loxley, dem Herausgeber des amerikanischen MAXIM Magazins, der sich im Editorial seiner Zeitschrift über die Schauspielerin Julia Roberts mokiert. Sie hatte es gewagt, mit sichtbar unrasierten Achselhöhlen bei einer Filmpremiere zu erscheinen. Die skandalösen Bilder, auf denen sie im Vorbeiwinken erbarmungslos empfindlichen Journalistenkameras zum Opfer fiel, gingen um die ganze Welt. Die Boulevardpresse versah die vergrößerten Bilder mit dicken, roten Einkreisungen, damit auch der gleichgültige Betrachter begriff, dass hier ein Tabu überschritten wurde, und das von einer, die es besser wissen sollte: von einer Frau. Genauer: von einer Frau, die weibliche Hauptrollen in seichten, von heteronormativ-konservativen Weltbildern bestimmten Liebeskomödien spielt.2
Wäre Loxley nicht der Herausgeber einer Männerzeitschrift, sondern ein subversiver Humorist, könnte man sein Zitat als ironischen Kommentar zum Enthaarungswahn der Gegenwart lesen. Denn wer behauptet, dass nur ein „kleiner Schritt“ über die nicht entfernte Achselbehaarung zu einem Rückfall in affenähnliche Erscheinung führt, für den müssen sich die entscheidenden Evolutionsprozesse in den letzten 100 Jahren abgespielt haben.
[Fußnote: Die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Christine Hope hat im Rahmen ihrer Recherche zu weiblichen Körperhaarentfernungspraxen herausgefunden, dass es zumindest in den USA bis zum Ersten Weltkrieg für Frauen nicht üblich war, Körperhaare zu entfernen. (...)] Wie absurd seine Aussage auch erscheinen mag: die Debatten, die rund um das Thema weibliche Körperbehaarung ausgetragen werden, bestätigen, dass es sich bei der Enthaarung der Achseln, der Beine, des Schambereichs um eine Norm handelt, der Frauen sich heute unterwerfen müssen, wenn sie nicht wünschen, von der Gesellschaft ins Abseits gestoßen zu werden. Die Strafe für Abweichlerinnen besteht darin, dass der weibliche Körper diskursiv mit Ekel aufgeladen wird, sofern er Behaarung aufweist. Es kommt zu einer Stigmatisierung der Behaarten als Hygiene vernachlässigende, Ästhetik mit Füßen tretende und männerverachtende Erscheinung am Rande der Gesellschaft. Aber wie wurde diese Norm wider den natürlichen Körper durchgesetzt? Welche sozialen Mechanismen sind an der Produktion und Reproduktion der Enthaarungsnorm beteiligt? Wie verändern die Normen die subjektive und objektive Wahrnehmung des weiblichen Körpers? Und nicht zuletzt: lässt sich ihre Wirksamkeit in einen größeren, gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang einbetten?
Die vorliegende Arbeit knüpft an die Erkenntnisse meiner Arbeit zur Disziplinierung des weiblichen Körpers an Oben-Ohne-Stränden an4. Ich kam im Rahmen der Diskussion darüber, wie sich die Gegenstände des Peinlichkeitsempfindens verschoben haben, zu dem Ergebnis, dass nicht mehr die Enthüllung von Nacktheit Skandale und damit Schamgefühle bei den Zeugen und Skandalbetroffenen auszulösen vermag, sondern der Bruch mit den Regeln, die der Enthüllung zugrunde liegen. Den einzig legitimen „natürlichen Körper“ identifiziere ich darin als manipulativ veränderten Körper, der keine Assoziationen mit dem unkontrolliert Animalischem, dem „Naturwüchsigen“ per se, zulässt. Hygiene meint im Zuge dieser Entwicklung nicht mehr das Fernhalten von Keimen, sondern die Herbeiführung von nahtloser Sterilität. Nahtlosigkeit ist in meiner Arbeit im doppelten Sinne zu verstehen, zum einen als Forderung nach einer größtmöglichen Kontrolle des Körpers, zum anderen, ganz bildlich, als Haarlosigkeit, denn Haare am Körper genießen einen ähnlichen Ruf wie herausstehende Nähte an Kleidern. Sie stören, sie sind überflüssig, sie sind gegen den guten Stil und verweisen auf die Inkompetenz des Schneiders. Man kann sich nicht öffentlich blicken lassen, ehe man sie entfernt hat.
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die kritische Betrachtung des Enthaarungsdiskurses. Um die Konstruktion und Inszenierung von Einstellungen gegenüber weiblicher Körperbehaarung herauszuarbeiten, greife ich auf Beiträge in Internet-Foren zurück. Das hier durchgängig eingeflochtene Datenmaterial ist auf nicht-wissenschaftlich initiiertem Wege – ex post facto - erhoben worden und genießt somit eine hohe externe Validität. Berücksichtigt wurden sowohl deutschsprachige als auch englischsprachige Foren. Schon die Tatsache, dass Körperbehaarung Gegenstand heftiger Diskussionen sein kann, weist darauf hin, dass es sich nicht um ein triviales Thema handelt. Eine kurze Durchsicht genügt, um festzustellen, dass Körperbehaarung ein vielschichtiger Diskursgegenstand ist, der nicht bei der Konsensfeststellung einer „Geschmacksfrage“ stehen bleibt. Dass Körperbehaarung keine Geschmacksfrage ist, sondern zu einer moralischen Angelegenheit wird, zeigt sich in der Länge der Beiträge. Denn mit dem Bekenntnis zu Körperhaaren ist der Zwang zur Rechtfertigung verbunden. Und entsprechend ausführlich wird dieses Bekenntnis mit Aversionsbekundungen kommentiert.
Ich werde im ersten Teil der Arbeit mit ausgewählten Beiträgen illustrieren und beschreiben, welche Argumente gegen weibliche Körperbehaarung vorgebracht und in welcher Form sie als diskursives Material weitergegeben werden. Im zweiten Teil geht es um den Zusammenhang zwischen Körperbehaarung und Ekel als einem „sozialen Mechanismus, der kulturell bedingt und pädagogisch vermittelt, sich den primitiven Brech- und Würgereflex zunutze macht, um die vorrational erworbene, soziale Basisidentität zu schützen.“ Hier beschränke ich mich auf Schambehaarung, weil diese in direkter Verbindung mit Sexualität steht und in den entsprechenden Diskursen die „problematische Natürlichkeit“ noch stärker in den Vordergrund tritt. In diesem Zusammenhang soll auch als Mittel der Kontrastierung zum besseren Verständnis des Phänomens ein Blick auf die anziehende Wirkung weiblicher Schambehaarung geworfen werden.
Im dritten Teil der Arbeit unterziehe ich die im zweiten Teil präsentierten Argumente einer kritischen Überprüfung. Auf der heuristischen Ebene (Teil 1, 2 und 3) bediene ich mich der Terminologie und der Konzepte Michel Foucaults, weil sie mir als optimales Instrumentarium zur Beschreibung des interessierenden Phänomens erscheinen. Der letzte Teil schließlich ist der Versuch einer Erklärung des Trends zur Enthaarung vor dem Hintergrund der Zivilisationstheorie von Norbert Elias. Aufgeworfen wird die Frage, ob die Enthaarungspraxis in westlichen Industrieländern eine Begleiterscheinung und letztlich das Produkt des von Elias beschriebenen Zivilisationsprozesses sein könnte.
Die spärliche Literatur, die es zum Thema Körperbehaarung gibt, beschränkt sich auf feministische Studien und Ansätze. Ich halte eine Anknüpfung daran für wenig sinnvoll, weil sie dabei stehen bleiben, auf patriarchalische Ansprüche und die Unterdrückung der Frau zu verweisen. Fakt ist aber, dass auch Männer zunehmend dem Enthaarungswahn verfallen und die Anforderungen auch von Frauen gestellt werden, die ihrerseits selbst an der Aufrechterhaltung der Normierung des weiblichen Körpers aktiv beteiligt sind. Ferner teile ich die Auffassung Foucaults, dass Macht nicht von oben nach unten ausgeübt wird, sondern eine Kraft darstellt, die sich netzartig durch alle gesellschaftlichen Zusammenhänge zieht und von allen Beteiligten aufrechterhalten wird.
[Fußnote:„Macht ist nicht so sehr etwas, was jemand besitzt, sondern vielmehr etwas, was sich entfaltet; nicht so sehr das erworbene oder bewahrte Privileg einer herrschenden Klasse, sondern vielmehr die Gesamtwirkung ihrer strategischen Positionen – eine Wirkung, welche durch die Position der Beherrschten offenbart und gelegentlich erneuert wird.“ (vgl. Foucault, Michel: Überwachen und Strafen, Frankfurt/Main, 1994, S. 38)]Auf eine systematische kulturgeschichtliche Darstellung von Haarentfernungspraxen habe ich bewusst verzichtet. Hierzu liegen bereits zahlreiche Befunde vor, die zu paraphrasieren auf Kosten der Betrachtung eines vielschichtigen und erkenntnisreicheren Diskurses gehen würde. Die Arbeit will als theoriegeleiteter, qualitativer Forschungsbeitrag verstanden werden. Die Zitate aus den Internetforen wurden in der Form beibehalten, in der sie ursprünglich verfasst worden sind. Fehlerhafte Grammatik und Rechtschreibfehler sind unkorrigiert geblieben, um die Aussagen im Zustand der Authentizität zu belassen.
I. DIE MACHT DER DISKURSE ÜBER DEN BEHAARTEN KÖRPER1.1. Hair today, gone tomorrow? Der Zeitgeist-Diskurs.
Gehen Haare im doppelten Sinne mit der Zeit? Ein beliebtes Argument, um die Entfernung von Körperhaaren zu proklamieren, stellt der Verweis auf das „Zeitgemäße“ der Norm dar. Es handelt sich hierbei um ein klassisches „argumentum ad populum“, bei dem von einer tatsächlichen oder bloß unterstellten Mehrheitsmeinung auf die Wahrheit einer Aussage oder die Angemessenheit einer Norm geschlossen wird. „Rasieren ist ein Muss! Rasieren liegt im Trend. Erwachsen sein heisst heute rasiert zu sein.“ Die Enthaarung wird als modische Erscheinung aufgefasst, die man unhinterfragt „mitmacht“. Gemäß dem Prinzip, dass man die Kleidung trägt, die modisch, das heißt: in den Geschäften verfügbar ist, rasiert man sich, weil im kognitiven Laden offenbar keine Alternativen zur Verfügung stehen. Die Mutter von zwei Töchtern im Teenageralter bekundet: „Vor 30 Jahren war ich weit davon entfernt mir Achseln oder Beine zu enthaaren, wie übrigens so gut wie alle andere Mädchen auch. Heute sind meine Töchter mit 13 und 15 kräftig am rasieren, wachsen, epilieren, sie probieren aus, sollen sie. Heute ist das NICHT Enthaaren der Achseln und Beine "unnormal" Und die Enthaarung des Intimbereichs zumindest üblich. Die Zeiten ändern sich nun mal.“ Das „kognitive Lädchen“ ist ein Konstrukt aus Alltagsbeobachtungen, genauer: aus den prüfenden und vergleichenden Blicken auf Andere. Wer sich umschaut, wer hinsieht, dem eröffnen sich die Handlungsoptionen: „also ich habe mich jetzt auch letztendlich dem Zeitgeist angepasst und mich vor 3 Wochen meiner Schambehaarung entledigt (wenn man sich so in Sauna/Umkleide umschaut, gibt's ja bei den jungen Dingern seit Jahren überhaupt keine Schamhaare mehr).“ Die „jungen Dinger“ werden als Trendsetter verstanden und als solche ernst genommen. An ihren Enthaarungsnormen orientiert sich dann auch die ältere Generation: “unter den heutigen Unter25jährigen wirst Du sonst kaum jemand finden, der eine Zuneigung zu Natürlichkeit nicht als hoffnungslos verstaubt ansieht.“ Um dazu zu gehören, um nicht dem Spott der Jungen ausgeliefert zu sein, um nicht mit und durch seinen Körper die Differenz zu markieren, die das gefürchtete Alter von der Jugend trennt, wird die Norm abgeschaut und übernommen: „ein "busch" naja.. das törnt die junge generation grössten teils ab!“ Etwas aggressiver heißt es in einem Forumsbeitrag: „Also inzwischen sollte doch jeder im 21 Jahrhundert angekommen sein! Sorry aber ich finde es absolut eklig wenn Leute mit voller Achsel und Schambehaarung herumstolzieren.“ Die Bejahung der eigenen Körperbehaarung wird in dieser Argumentationslogik also als Fortschrittsverweigerung aufgefasst. Das Wort „herumstolzieren“ weckt Assoziationen mit einem Tier, das Menschen aufgrund einer bestimmten „anmaßenden“ Fortbewegungsart lächerlich erscheint. In der Rhetorik der Modebewussten macht sich der unrasierte Mensch also buchstäblich „zum Affen“.
Angeblich wissenschaftliche Fundierung erhält das Zeitgeist-Argument durch statistische Erkenntnisse über den Anteil von Männern und Frauen an der Gesamtbevölkerung, die sich enthaaren. Interessanterweise sind die Initiatoren dieser Studien bekannte Rasierklingen- und Enthaarungsmittelhersteller. Ihre Ergebnisse werden von der Beauty-Industrie dankbar aufgegriffen und tauchen dann in Frauenzeitschriften wie GLAMOUR im Gewand der Schönheitsberatung auf, wobei dem Mann als „generalisiertem Anderen“ (Mead) die Funktion des erhobenen Zeigefingers und des kritischen Auges zukommt: „Wer mit samtig glatter Haut bei den Jungs punkten will, kommt nicht darum herum, die lästigen Härchen zu entfernen. Wir stellen Ihnen die unterschiedlichen Methoden vor.“ Es folgen die Ergebnisse der Studie und das beschämte Bekenntnis: „Was das Enthaaren betrifft, ist Deutschland verglichen mit den USA etc. immer noch ein Entwicklungsland.“
Der Diskurs wird also initiiert von der Haarentfernungsindustrie, die ihr methodisch wenig fundiertes, aber machttechnisch äußerst wirksames „Expertenwissen“ in die Welt setzt. Aufgegriffen wird er von der schwächeren Beauty-Industrie, die dafür sorgt, dass das Produkt Abnehmer findet. Die Abnehmer sind zum großen Teil junge Menschen, die empfänglich für die mit Drohgebärden durchsetzten Einflüsterungen sind und die Trends besonders schnell aufgreifen. Die nicht altern Wollenden indes übernehmen die Trends der Jungen und verfestigen sie diskursiv zu Normen, die für alle gleichermaßen verbindlich werden. Die Verletzung einer durchgesetzten Norm geht mit gesellschaftlichen Sanktionen einher. Umgekehrt hat der Normhörige Aussicht auf Belohnung, möge diese auch bloß darin zum Ausdruck kommen, nicht zur Zielscheibe des Spottes zu werden. Der Vorteil, der damit verbunden ist, sich der Enthaarungsnorm zu unterwerfen, besteht darin, den gängigen Schönheitsvorstellungen zu entsprechen. Man kann die Vermutung anstellen, dass der Diskurs, der von den ersten Agenten der Macht, hier: der Enthaarungsindustrie, initiiert wird, schließlich zur unhinterfragten Enthaarungspraxis führt und der Disziplinierung des Körpers dient. Im Sinne einer Bio-Macht soll der Körper für die kapitalistische Verwertbarkeit nützlich gemacht werden. Die Informationen über das „richtige Verhalten“ werden dann von Individuen und Gruppen netzartig verbreitet, bis sie sich in den Körper eingeschrieben haben und im Körpererleben als selbstverständlich empfunden werden. Das ist nur eine skizzenhafte Beschreibung des möglichen Wirkungsmechanismus. Aber wie genau werden die Normen durchgesetzt? Welche Machttechniken sind dafür verantwortlich, dass sie verinnerlicht werden und die mit ihnen verbundenen Sanktionen die Macht bekommen, generationenübergreifend handlungsorientierend zu sein? Diese Fragen werden anhand einiger ausgesuchter Diskurszusammenhänge in den folgenden Kapiteln erörtert.
1.2. Diskrete Einflüsterungen der Werbeindustrie
Auf der Suche nach möglichen Gründen für die Durchsetzung bestimmter Schönheitsideale kommt man nicht umher, medial vermittelte Botschaften und deren Wirksamkeit zu entschlüsseln. Die auf die Manipulation der Abnehmer ausgerichtete Werbung macht sich bestehende Trends zunutze, noch häufiger aber kreiert sie diese Trends erst. Sie weckt Bedürfnisse, die vorher nicht da waren, und bietet die Mittel, diese zu stillen. Wie ein religiöser Zirkelschluss schafft sie Normen, deren mit Konsequenzen verbundene Verletzung mit den angepriesenen Produkten verhindert werden kann. In der Literatur findet sich häufig die These, dass der enthaarte Körper sich erst über Jahrzehnte entsprechender Werbebotschaften als Schönheitsideal durchsetzen konnte. Die amerikanische Kulturwissenschaftlerin Christine Hope kommt nach einer Durchsicht von Katalogen, Zeitschriften und Schönheitsratgebern zum Schluss, dass zumindest in den Staaten Frauen ihre Körperhaare nicht vor dem Ersten Weltkrieg rasierten. Die Enthaarung als gängige Schönheitspraxis hat sich erst zwischen 1914 und 1945 etabliert. Als verantwortlichen Motor für diese Entwicklung sieht die Autorin Werbekampagnen, die im benannten Zeitraum beständig zunahmen. "Advertising for hair removal products became more prevalent and more explicit during the same period other cleanliness behaviours were being introduced or reinforced through advertising. Women during this period were not only being told that 10
their body hair was unfashionable, but also that their breath was bad, that they were probably turning away suitors because of body odor, that "feminine daintiness" demanded a certain type of sanitary napkin, [..]" In Europa tauchen die ersten Werbemaßnahmen für Körperhaarentfernungsprodukte in den 20er Jahren auf. Auch wenn es sich dabei größtenteils um die Entfernung von Nackenhaaren handelt, die in Form von Stoppeln bei einem Bubikopf als ein ästhetisches Ärgernis dargestellt werden, zeichnet sich hier schon eine ganz bestimmte Argumentationsstruktur ab, die in den Folgejahren auch auf die Enthaarung von Achseln und Beinen Anwendung finden wird.
Das Produkt „Exex“ wird etwa mit folgenden Worten beworben:
„Enthaarungs-Milch Exex“ sollte jeder gebrauchen, um lästige, überflüssige und hässliche Haare im Gesicht und am Körper zu entfernen. Auf ästhetisch empfindsame Menschen wirken solch überflüssige Haare abstoßend und manche oft unbegreifliche Abneigung ist darauf zurückzuführen.“
Die Werbetexter bedienen sich einer belehrenden Rhetorik „von oben herab“. Der Text erinnert an die Ratgeberliteratur für junge Frauen, die zu diesen Zeiten in Mode war, sie ist der pädagogischen Strömung zuzuordnen, innerhalb derer junge Frauen von älteren und sozial höher stehenden Frauen über all die peinlichen und unangenehmen Situationen informiert wurden, in die sie geraten könnten, wenn Sie nicht eine Reihe von Regeln befolgen würden, die darauf abzielten, die Frau zum tadellosen Weibchen zu stilisieren, das jedem, vor allem aber dem Gegenpol Mann, zu gefallen versteht. Diese Werbung bedient sich des ästhetischen Arguments und setzt auf die Hochschätzung des charakterlichen Merkmals „Empfindsamkeit“. Der „ästhetisch empfindsame“ Mensch reagiert mit Ekel, und das impliziert, dass der menschliche Grund seines Anstoßes seine Empfindsamkeit offensichtlich nicht teilt, dass er barbarische Züge trägt, die sich mit seinem Gemüt im Missklang befinden. Für die Frau, die als Garantin von Harmonie und Repräsentantin des Zarten und Tadellosen gelten will, ist die Vorstellung und die damit verbundene Angst, abstoßend und grob gefunden zu werden, natürlich ein plausibler Grund, über Körperhaarentfernung nachzudenken. Sie erfährt schließlich von den Werbetextern unverblümt auf direktem Wege, dass die Haare an ihrem Körper „lästig, überflüssig und hässlich“ sind. Das war ihr in ihrer Naivität vorher nicht bewusst, daher auch die „Unbegreiflichkeit“ der Abneigung ihrer Person gegenüber. Nun weiß sie den Grund: ihr Körper erregt Ekel. Die Haare müssen weg. Ihr Körper will von ihr behandelt werden wie der Stein von der Hand des Bildhauers. Alles Überflüssige muss weggemeißelt werden.
Weiter wird in der Werbung argumentiert: „Exex ist unschädlich, macht die Haut sammetweich und ist ärztlich empfohlen.“, worauf als Kaufort die Apotheke angegeben wird. Mit dem Verweis auf den Mediziner werden Körperhaare in das Feld des Pathologischen gerückt. Interessant ist auch der Hinweis auf die „Unschädlichkeit“ des Mittels, weil damit das Eingeständnis einher geht, dass es sich bei der Haarentfernung durchaus um einen manipulativen Eingriff in die Natürlichkeit des Körpers handelt, genossen doch zahlreiche Schönheitsmaßnahmen, die ebenfalls die Aufgabe hatten, den Körper zu manipulieren, mittlerweile einen gesundheitsschädigenden Ruf, etwa die eng geschnürten Mieder der viktorianischen Mode oder die Meidung von Sonne zugunsten nobler Blässe.
Eine andere Werbeanzeige aus derselben Dekade wartet mit dem stilisierten Gesicht einer Frau auf, die mit dem Anlegen des Zeigefingers an die Lippen die Geste wohlmeinender Diskretion vollführt. Hier lesen wir: „Der Sommer ist gekommen. Denken Sie an die Verlegenheiten, die Ihnen jetzt lästige Haare und überflüssige Haare bringen – den kritischen Glanz in den Augen Ihrer Freunde, denken Sie an die Verlegenheiten, die Ihnen das Ballkleid oder der Badeanzug bereiten! Wollen Sie sich sofort hiervon befreien, so bestellen Sie „Haarweg Absentia“ das sie sofort und schmerzlos aller lästigen Haare entledigt.“ Auch hier gelten die Haare als „lästig“ und „überflüssig“, während ihre unerträgliche und beschämende Hässlichkeit in der Umschreibung der mitmenschlichen Reaktionen kodiert ist. Klar wird auch, dass hier andere Haare gemeint sind, als die am Nacken und über der Oberlippe.
Diese Beispiele aus Urgroßmutters Zeiten mögen uns heute amüsieren. Zu direkt erscheint die Wahl der Worte, zu naiv und bearbeitungsbedürftig die Zielgruppe. Die Methoden und Techniken der Werbung sind diesen groben Kinderschuhen längst erwachsen und Wirksamkeit wird auf weit subtilere Weise erzeugt. Als Kontrastbeispiel soll hier die Werbekampagne des amerikanischen Haarentfernungsmittels „Nair“ unter die Lupe genommen werden24. Die Anzeigen von „Nair“ erscheinen regelmäßig in amerikanischen Magazinen für Mädchen in der Pubertät, die Zielgruppe sind also junge Frauen zwischen 12-18 Jahren. „So you're at an age when the childhood fuzz is becoming thicker and coarser hair. It's time to give some serious thought to removing it. If you've never dealt with hair removal before, it's natural to feel a little bit nervous. But you'll soon see, getting smooth, silky skin with Nair® depilatories and waxes is simple – and a fun way to treat yourself right!”
Im Gegensatz zu den oben präsentierten Beispielen werden die potenziellen Kundinnen hier auf den ersten Blick nicht negativ, sondern positiv motiviert. Man erspart es ihnen, sich die ekelverzerrten Gesichter ihrer Freunde vorzustellen, die das Pech haben könnten, ihrer Körperhaare ansichtig zu werden. Stattdessen wird die Enthaarungsprozedur als „fun way to treat yourself right!“ dargestellt. Auf den zweiten Blick entpuppt sich auch dieser Satz als Träger von negativem Motivierungsbestreben, weil die „richtige“ Behandlung des eigenen Körpers einen Gegenspieler in der „falschen“ Behandlung hat. Und darüber, was richtig und was falsch ist, bestehen in der amerikanischen Weiblichkeitskultur feste Vorstellungen: sich selbst „richtig“ zu behandeln, setzt Selbstachtung voraus. Wer Selbstachtung hat, das heißt, wer sich selbst etwas wert ist, betreibt gewissenhaft Körper- und Seelenhygiene. Sein Wert wird sich in den Augen seiner Mitmenschen widerspiegeln.
[Fußnote: Wie aus den Inhalten beliebter Self-Help-Literatur für alle Altersklassen ersichtlich wird, gilt es als anstrebenswert, „self-esteem“, „self-worth“, „self-confidence“ usw. zu erreichen. Die Zufriedenheit mit dem erfolgreich geführten Leben steht im direkten Zusammenhang mit der Fähigkeit des Einzelnen, sich um sich selbst zu kümmern, sich selbst „gut“ zu behandeln.] Im Gegensatz zu dieser Haltung steht der sich selbst vernachlässigende Mensch, der müffelnde Geek, der schlecht frisierte Nerd, der weltfremde Freak, der bemitleidenswerte Loner, der abstoßende Gast am Bahnhofsausschank. Junge Mädchen aber wollen begehrenswert, selbstsicher und beliebt sein. Dank der Werbung wissen sie, dass die „spaßige“ Entfernung ihrer Körperhaare sie von wenigstens einer Stigmatisierungsgefahr bewahrt. Die Werbesätze enthalten auch gleich die Information darüber, was „natürlich“ ist am Erwachsenwerden: nämlich nicht die Behaarung, die sich vom zarten Flaum in sichtbare Haare verwandelt, sondern die Nervosität, die mit diesen Veränderungen und den Gedanken an ihre Sichtbarkeit einhergeht. Auf diese Weise wird die Pubertät zu der Herausforderung, in die natürlichen Veränderungen einzugreifen, bevor die Natur der werdenden Frau ein Schnippchen schlägt.
1.3. Die Disziplinierung des reifenden Körpers.
Für die Disziplinarmacht stellt der junge Körper mit seiner bereits vorhandenen, aber noch ungeformten und daher formbaren Sexualität einen besonders dankbaren Angriffs- und Eingriffspunkt dar. Viele Mädchen haben in den Internetforen von erfahrener Ausgrenzung aufgrund ihrer Körperbehaarung berichtet. Es ist auffällig, dass im Diskussionsforum von Scarleteen die Userinnen – obwohl im Eingangsposting des thematisch allgemein ausgerichteten Threads nicht danach gefragt – den Drang verspürten, den erinnerten Moment in ihrem Leben zu schildern, der sie dazu bewegte, sich zum ersten Mal zu rasieren. An den Eingangstoren zur Pubertät waren es die Gleichaltrigen, die den sich verändernden Körpern die neuen Regeln diktierten: „I started shaving my legs when I was 13 because the other girls in my gym class made fun of me.“ Oder: „I started shaving my legs/ underarms when I was in 6th grade, mostly as a reaction to my classmates' teasing.”, “I started because everyone else was doing it which made me embarassed to have hairy legs and arm pits.” Der erfahrene Gruppenzwang schreibt sich als Angst vor Ächtung und Ausgrenzung, ja, sogar als Angst vor sozialem Abstieg in die heranwachsenden Körper: „I too started shaving at 13 because I noticed how often fuzzy girls were made fun of. Already pretty low on the social ladder, I didn't need another "flaw."
Amerikanische Teenager sind nicht die einzigen, die Spötteleien in der Schule ausgesetzt sind. Die deutsche Schülerin Mareike berichtet in ihrem Blog30 über eine Diskussion mit Gleichaltrigen, die sie unter der Dusche nach dem Sportunterricht verfolgt hatte. „Eine Klassenkammeradin, die sich niemals das Wort verbieten lässt, machte sich über den "Pelz" einer relativ unbeliebten Anderen lustig. Kurz darauf ging es auch schon los und von verschiedenen Seiten wurde ihr die passende Rasur empfohlen. Ich hab mich da aber konsequent rausgehalten um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, denn auch ich könnte durchaus etwas weniger vertragen Bei der Diskussion in der Dusche standen übrigens nur "völlig blank" und als Alternative ein schmaler Streifen zur Auswahl. "Mehr" stand scheinbar garnicht zur Diskussion. Ich werde mich wohl etwas mehr anpassen müssen...“
Nicht nur die Gleichaltrigen in der Schule sind an der gegenseitigen Disziplinierung ihrer Körper beteiligt. Sie erhalten mittäterische Unterstützung von erfahrenen Akteurinnen, die einmal selbst durch die Sanktionenhölle gegangen sind: Mütter. Gleich einem abgehärteten Soldaten, dem es gelungen ist, im Kampf seine Sensibilität abzutöten, drillen sie ihre Töchter. Und Anpassung ist das Ergebnis, weil die Möglichkeit des Widerstands als aussichtslos erlebt wird. „My mom was always on my back about how "disgusting it was", and most of my friends were the same way. I decided to shave instead of having to deal with all of the crap they were giving me.” Eine ältere Userin erinnert sich: “My mom flipped out when I came home from college that summer with hairy legs. She kept talking about my "new grooming habits...or lack thereof." She said that whenever she sees a woman who doesn't shave, she thinks of her as a weirdo hippie who's trying to make a statement, or worse (gasp!) a lesbian.” Mütter fungieren also, nachdem sie selbst der Enthaarungsdiktatur zum Opfer gefallen sind, nach erfolgreicher Disziplinierung als Machtagentinnen, die die Fortpflanzung der selbst erfahrenen Disziplinarmacht in die nächsten Generationen sicherstellen.
1.4. Überwachen und Strafen des unangepassten Körpers
Immer wieder taucht in den Internetdiskussionen die Aussage auf, dass es jeder Frau (und jedem Mann) selbst überlassen werden sollte, wie er mit seiner Körperbehaarung verfährt. Doch selten steht diese Toleranzbekundung für sich da, häufig wird sie begleitet vom Hinweis auf die Konsequenzen dieses Bruches mit der gesellschaftlichen Norm. Abhängig davon, wie die Person, die den Beitrag verfasst, selbst zu Körperbehaarung steht, fallen die angedrohten Konsequenzen in unterschiedliche Härtekategorien. Weil die Aussicht auf Liebe und eine erfüllte Sexualität in unserem Kulturkreis mit Attraktivität in Zusammenhang stehen, stellt der Körper für Norm- und Regelwächter eine ideale Angriffsfläche dar. Wer seinen Körper nicht den herrschenden Schönheitsidealen unterwirft und sich den zu ihrer Erreichung nötigen Manipulationsprozeduren unterzieht, verspielt mit seiner Nachlässigkeit die Attraktivität, die eine Voraussetzung zur Stillung des menschlichen Bedürfnisses nach Liebe und Anerkennung darstellt. Schon ein harmloser Flirt im erotischen Whirlpool-Ambiente hat nur zwischen zwei Enthaarten die Chance, statt zu finden: „Ich find's so grausam, wenn man schwimmen ist und im Whirlpool sitzt und zu einem steigt dann ein Typ rein, der seine Arme auf den Rand legt und aus den Achseln sprießen die Haare....wäh....dann bin ich weg...“ Die Drohungen sind besonders bei Heranwachsenden wirksam, die in der Phase der körperlichen und psychischen Veränderungen besonders empfänglich für Verletzungen sind. So lesen wir auch bei „Scarleteen“: „no guy wants to date a girl with little hairs sticking out from under places”. Mag in jungen Jahren bereits die “dateability” gefährdet sein, mit dem Vordringen in Gebiete der sexuellen Entdeckungen wird sich dem Körperhaarrebellen auftun, dass die nicht entfernte Körperbehaarung auch die Aussicht auf gelebte Körperlichkeit beeinträchtigt, wenn sie diese nicht gar gänzlich verhindern wird: “jeder kann es ja halten wie er oder sie will.. aber muss dann eben die konsequenzen tragen. und damit leben, dass diverse dinge dann eben nicht mehr laufen im bett.“ Oder: „Ich finde Körperbehaarung und ganz besonders im Intim Bereich eklig. Ich akzeptiere natürlich auch behaarte Menschen, aber nicht in meinem Bett“. Und wenn man nicht vorher darüber geredet hat? Dann wird die Abneigung des Begierdeobjektes der Behaarten nicht bloß als dezente Geste von Geschmacksdifferenz offenbar, nein, der Körper als biologische Fortpflanzungseinrichtung macht einfach nicht mit: „Ich kann dir sagen wenn ich eine Frau kennenlernen würde die nicht rasiert wäre, dann sprechen wir über "Ladehemmungen.“
Den Menschen, der seiner Behaarung wegen auf die Liebe verzichten muss, kann die Normenpolizei belächeln oder auch bemitleiden. Solange sich seine abstoßende Wirkung nur auf potenzielle Geschlechtspartner beschränkt: hier, in den eigenen vier Bettbrettern, sind die Konsequenzen des Regelbruchs Aushandlungssache. Anders sieht es aus, wenn der behaarte Mensch sich an einen öffentlichen Ort begibt. Zum Beispiel ins Freibad, das wegen seiner Kleiderordnung die Körperbehaarung den Blicken der Badeanstaltsbesucher ausliefert. Eine Bademeisterin merkt an: “many small children (and some of the teenagers I've encountered) would be shocked to see a woman with body hair showing.” Der behaarte Mensch wird zum Exhibitionisten, zum Perversen, zum buchstäblichen Träger der Obszönitäten, die man seinen Kindern ersparen möchte, bis sie alt genug sind, solcherlei Schockerlebnisse zu verarbeiten. Es ist bezeichnend, dass die Verfasserin des haarfeindlichen Beitrags ausgerechnet die Kinder zum Teil ihrer Argumentation macht, sind „unsere Kinder“ doch das Stichwort schlechthin, ungezähmt aggressive Gefühle gegenüber Devianten zu wecken.
Die Toleranz, die man behaarten Menschen zuteil kommen lässt, ist zuweilen dieselbe, mit der man die Existenz sexueller Perversionen zur Kenntnis nimmt. Das macht der folgende Beitrag deutlich: „Es zwingt einen niemand und wenn ihr wie die Affen rumrennen wollt, fein, tut es einfach. Gibt ja Typen die drauf stehen sich an irgendwelchen Schamhaaren zu verschlucken und im pissegetraenkten Urwald spazieren zu gehen. Jedem seinen Spass.“38 Man kann sich ausmalen, welche Wirkung solche Aussagen auf Menschen haben, die mit dem Gedanken spielen, sich dem Schönheitsideal des enthaarten Körpers zu verweigern, denn es handelt sich – glaubt man den Reaktionen und Wertungen, denen man hier begegnet – eben nicht um eine modische Entscheidung, nicht um eine Geschmacksentscheidung. Es ist die Entscheidung für oder gegen die Gesellschaft, die Entscheidung für oder gegen Zivilisation, schließlich die Entscheidung für oder gegen „den Menschen“.
II. ZWISCHEN EKEL UND FETISCH : NATÜRLICHKEIT IM SPANNUNGSFELD VON ATTRAKTION UND AVERSION.2.3. Die diskursive Inszenierung des Ekels
Die australischen Psychologinnen Tiggemann & Lewis haben die Einstellungen gegenüber weiblicher Körperbehaarung und die damit verbundenen Ekelpotenziale psychologisch untersucht.39 98% der teilnehmenden Frauen gaben an, sich regelmäßig an Beinen und/oder Achseln zu rasieren. Diese Frauen wurden im ihnen ausgehändigten Fragebogen aufgefordert, den Grund für ihre Rasur anhand von vorformulierten Items anzugeben. Die Frauen sollten ebenfalls angeben, weshalb sie glaubten, dass andere Frauen sich rasierten. Auf diese Weise haben Tiggemann & Lewis sowohl das subjektive Erleben der Frauen als auch die von ihnen verinnerlichten objektiven Strukturen erfassen können. Mit den Ergebnissen gestellter Assoziationsaufgaben konnten die Forscherinnen bestätigen, dass nicht entfernte Körperbehaarung mit Gefühlen des Ekels einhergeht. Das wirklich interessante Ergebnis der Studie offenbarte sich jedoch erst im Vergleich der Angaben zur Motivation der Frauen, sich zu rasieren, und Motiven, die diese Frauen anderen Frauen unterstellten. Die überwiegende Mehrheit der Frauen nannte „feminine/attractiveness“ als Grund für ihre eigene Rasurpraxis, hingegen wurden „social normative reasons“ anderen Frauen als Motivation unterstellt. „Thus, women interpret others’ behaviours as due to normative pressures, in a way they do not do so for their own. […]. It appears that women can recognize the normative pressures on them in general to shave, but are unwilling to accept this as the rationale for their own specific behaviour.” Tiggemann & Lewis ist es vorzüglich gelungen, anhand empirischen Materials den Verdacht zu wecken, dass soziale Normen, die sich jenseits des individuellen Körpers ausbilden, subtil verinnerlicht werden, dass sie ummodelliert und übersetzt werden in Körperlichkeit. Erst derart in den Körper eingeschrieben, können sie sich stabilisieren und reproduzieren. Ihre sozial gesetzte Natur wird so weit verleugnet, wie sie den Willen zur Auflehnung untergräbt.
Meine Internetrecherche konnte bestätigen, dass Ekel die Reaktion ist, die am häufigsten in Verbindung mit Körperhaaren empfunden wird.
Der Ekel gegenüber Schambehaarung wird nicht nur explizit als solcher benannt („Also ich find Schamhaare E-K-E-L-H-A-F-T, ich find das echt abstoßend“), er wird auch umschrieben mit Körperreaktionen, die man unter der Annahme, dass Ekel nicht auch ein sozial konstruiertes Gefühl ist, nur erwarten würde, wenn das Objekt des Ekels tatsächlich schädlich für den Körper wäre, wie etwa Exkremente, Erbrochenes, faulendes Essen, Schimmelpilz, usw. Einige Beispiele:
„muss schon beim gedanken an eine behaarte arschritze würgen.“
„bei dem Anblick könnte ich grad kotzen......sowohl bei Männern als auch bei Frauen.......und erst das ewige Rumgepule nach Haaren zwischen den Zähnen ....igittigitt !!!!!“
„wahrscheinlich würd ich dann auch wügreize kriegen! rasieren ist ein absolutes muss für mich!!!“
„Richtig viel Schmahaar....da kommt mir grad das Kotzen. Sorry, aber das geht schon seit den 80ern nicht mehr........pfui Deibel.“
Der Ekel steht in Zusammenhang mit Scham und dem Wunsch, diejenigen zu bestrafen, die den Ekel erregen. Eine Frau berichtet:
„also bei mir im bekanntenkreis gibts en mädel(nennen wir sie einfach anna b.), mit der geh ich öfter ma schwimmen und so,also die hat echt mega die schambehaarung, ich schäme mich auch manchmal für sie, weil es einfach abartig ist und grade wenn sie aus dem wasser kommt sieht man das alles noch so sehr. ich hab ihr das auch schon oft gesagt, aber sie meinte sie würde gerne so bleiben wie die natur sie geschaffen hat. ich meine ich verstehe das nicht, aber ich akzeptiere das.“
Eine andere warnt: „finger weg vom schamhaar! schämen!!“ Körperhaare werden auf diese Weise in eine Reihe mit Benimmregeln gestellt, die zu brechen unser anerzogenes oder erst zu erlernendes Schamgefühl zu verhindern weiß. Haben die Begründungen für den empfundenen Ekel einen rationalen Kern? Es scheint, als wären die Körperausscheidungen, die in Kontakt mit dem Intimbereich kommen, das entscheidende Argument, als wäre die Hygiene der Grund für die Forderung nach Enthaarung: „rasiert is echt mal ein muss. bäh, was da alles drin kleben würde... echt nicht schön“, „Es gehört einfach zu einer guten Körperpfelge das man korrekt rassiert ist.“, „Haare im Intimbereich sind meiner meiner Meinung nach abartig und unhygienisch. Wenn ich mir manche Frauen im Schwimmbad oder in der Sauna anschaue, kann es einem doch echt vergehen.“ Inwieweit diese Einwände berechtigt sind, wird in Teil III diskutiert.
2.2. Der haarige Fetisch: Naturliebe als Perversion?
Dass Schambehaarung universell unästhetisch sei, widerlegen die Aussagen von Männern, die ihr positiv gegenüberstehen. Ihre Bekenntnisse gelten in Internetdiskussionen jedoch den Gegnern als Bekenntnisse zum Fetisch: „dass es in diesem Forum so viele Haar-Fetischisten gibt, hätt ich nicht gedacht“. Die Männer selbst apostrophieren ihren Fetischismus häufig, und zeigen damit, dass sie sich über die Stigmatisierung ihrer Attraktion bewusst sind, aber ihre Empfindungen als zu natürlich empfinden, um sie als Fetisch zu deklarieren. Durch die Fetischisierung von außen wird diskursiv sichergestellt, dass die Norm als solche unhinterfragt und damit unerschüttert bleibt. Mittels solcher Feststellungen wird suggeriert, dass es sich bei der Attraktivitätsempfindung der Schamhaarbefürworter um eine sexuelle Abweichung handelt. Dass diese Männer in die „Schmuddelecke“ gedrängt werden, überrascht vor allem auf dem Hintergrund ihrer Rechtfertigung. Argumente für Schambehaarung, die immer wieder auftauchen, sind der Wunsch nach einer „richtigen“ Frau, die persönliche Bejahung der Natur und die Ablehnung von Pädophilie und jeglicher Assoziationen mit einem kindlichen Körper
[Fußnote: „Rasierte Muschis sehen aus wie große Kindermuschis, vollkommen unerotisch.“, „Sieht aus wie bei einem Kind (no way)“, „Ich finde rasiert meist total überflüssig, da Kindchen-machend, ich aber will keine Kindfrau oder einen Teen im Bett, ich liebe eine richtige Frau (oder mehrere).“] Ferner gilt die behaarte Scham aufgrund ihrer verhüllenden Funktion, die die Frau mit einem Geheimnis ausstattet, als besonders erotisch.
[Fußnote: „Ich finde es einfach aufregend wenn die Schamhaare mehr verbergen als zeigen...“, „Haare üben auf uns einen optischen Reiz aus, ich (M) finde es erotisch wenn aus dem Bikinihöschen ein paar vorwitzige Haare hervorlugen oder die dort verborgene Haarpracht sich deutlich abzeichnet. Auch Achselhaare, helle Haare an Unterarmen und dünne Härchen an den Beinen die im Gegenlicht glitzern haben auf mich diese erotische Wirkung. Auf unsere W haben Brust- und Beinhaare der Männer die entsprechende Anziehung. Das alles macht neugierig auf mehr..."] Auffällig ist, dass einige Schamhaarbefürworter sich offensichtlich bereits tief schürfende Gedanken über ihren „Fetisch“ gemacht haben. Damit stehen sie im deutlichen Kontrast zu denjenigen, die es bei knappen, unreflektierten Ekelbekundungen belassen.
[Fußnote: Ein Mann liefert einen Beitrag von beinahe naturdichterischer Qualität:
„Ich bin auch ein Verehrer von natürlich weiblichen Körperlandschaften. Doch meine Neigung gilt mehr einer fruchtbaren, gut bewässerten Oase, in der die Gräser saftig Grün und prachtvoll wachsen. Weniger der kargen Steppe, in welcher hier und da vereinzelte Sträucher verdorren. Die Landschaften sind mannigfaltig. Umso erfreulicher ist es, dass ich mich vor einigen Jahren in die prachtvoll gewachsenen langen Gräser eines unschuldigen Mädchens betten durfte, deren Unbedarftheit sie noch nicht an die Moden der dekadenten Kosmetik-Welt hatte denken lassen. In solchen Momenten, da ich den Glanz der lustvoll geschwungenen Linien betrachte, wird mir die Perfektion der Natur bewusst. Eine Perfektion, die der Mensch stets zu imitieren oder gar zu verbessern sucht. Doch so unbeherrschbar wie das Wetter, so unerreicht ist natürliche Perfektion.“] Es scheint, als würde das Bekenntnis zur Natürlichkeit eine besondere Begründung erfordern, die diese abweichende Attraktion entschuldigt.
Eine andere Art, mit attraktiver Körperbehaarung umzugehen, findet man in „queeren“ Kontexten, z.B. in Diskussionen von Lesben. Zwei dominierende Gründe für die Attraktion lassen sich dabei herausarbeiten. Zum einen die Präferenz für androgyne Körper. Die Neigung, sich nicht mit dem gesellschaftlich definierten Weiblichkeitsbild zu identifizieren, schlägt sich in der Bejahung von geschlechtlicher Uneindeutigkeit nieder: „androgynous peopple have just always been particularly appealing to me“. Der Verweis auf Androgynität bzw. Transsexualität spiegelt dabei das bestehende Bild von Weiblichkeit wieder. Die Frau gilt qua Geschlecht als „das Unbehaarte“, der Mann als „das Behaarte“ (zumindest noch), eine Kombination von beiden wird in dieser Logik also als Zweigeschlechtlichkeit identifiziert. Zum anderen deutet man die Körperbehaarung der Frau im lesbischen Kontext als Zeichen für Stärke, Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit; eine Userin beschreibt die Behaarung einer Frau, die sie im Fernsehen gesehen hatte, als „a very serious bravery to break convention, a lack of fear about her own physical eccentricities, a pride in herself based ON herself. She was just astounding. I'll never forget her.” Auch diese Attraktion speist sich aus der kritischen Einstellung zum traditionellen Rollenbild der Frau als Person, die ihr Selbstbewusstsein und ihr Körpergefühl von den (real existierenden oder bloß angenommenen) Wünschen von Männern unterwirft.
2.3. Wolfskinder und geschorene Erwachsene
Außerhalb der sexuellen Fetischisierung des Schamhaars in einschlägigen Erotik-Foren und ihrer quasi-religiösen Fetischisierung im queeren Kontext finden sich virtuelle Gruppierungen von Schamhaarfreunden, die das Thema über seine sexuelle und ideologische Dimension hinaus diskutieren und inszenieren. Es gibt im Studentennetzwerk „StudiVZ“ eine Gruppe mit dem Namen „lasst es wachsen! nein zur intimrasur“. In dieser Gruppe gibt es einen Thread, in dem die Mitglieder Bilder von ihren eigenen (!) behaarten Geschlechtsteilen einstellen. Was verstörend wirkt, ist ebenso wie die Tatsache, dass sich einander fremde Menschen – in einem nicht explizit sexuellen Kontext – voreinander entblößen, das völlige Fehlen von Schmuddel und Anzüglichkeit. Man gewinnt den Eindruck, dass die behaarte Scham nur noch bedingt etwas mit Erotik zu tun hat. Die Schamhaarbilder der Gruppenmitglieder werden präsentiert wie selbstgestrickte Kopfbedeckungen. Mit derselben erotischen
Gleichgültigkeit. Das Schamhaar wird entsexualisiert, sein Anblick, seine Preisgabe wecken keine Sexualscham, im Gegenteil, die Schambehaarung legitimiert die Bloßstellung: sie verharmlost das Geschlechtliche. Ich musste bei den Aufnahmen und den zugehörigen Anmerkungen an einen kleinen Fotoband denken, der vor einigen Jahren als künstlerische Beilage im SPEX Magazin zu finden war. Es handelte sich um eine Fotoreihe, in der die Fotografin ihren Alltag in der Kölner Tristesse dokumentierte. Zwischen die Abbildungen von urbaner Hässlichkeit flicht sie kleine niedliche Szenen aus ihrem Privatleben. Darunter auch ein Bild, das sie im Liegen von ihrer behaarten Scham gemacht hatte. Auch dieses Foto wirkte alles andere als deplaziert in der Zusammenstellung. Es vermittelte den Eindruck von häuslichem Frieden und unschuldiger, kindlicher Spielfreude. Die Körperhaare werden auf eine Weise inszeniert, die sie zum Inbegriff der Unschuld werden lässt. Das ist interessant und erklärungsbedürftig, weil doch eigentlich der rasierte Schambereich Assoziationen an Kindheit und Unreife wecken sollte. Man könnte diese Dissonanz auch so umschreiben: während die infantile Verspieltheit junger subversiver Erwachsener eine Mode hervorbringt, in der das innere Kind wieder „Bärchen“ trägt, rasieren die Heranwachsenden im Pubertätsalter umso kräftiger, je mehr sie nach Erwachsenen aussehen wollen.56 Es kommt also zu einer Umwertung des behaarten Geschlechtsteils, indem die Konnotationen von rasiert und unrasiert einfach gegeneinander ausgetauscht werden. Man könnte daraus folgern, dass die Notwendigkeit der Rasur sich gegen alle Widerstände hinweg, etwa den Pädophilie-Vorwurf, durchsetzen will.57 Der Mensch konstruiert heute seine leibliche Sexualität, indem er in die Natürlichkeit seines Körpers eingreift. Die Weigerung, den Prozess der Selbst-Sexualisierung zu durchlaufen, wird verstanden als subversives Statement gegen das Erwachsenwerden.
III. ARGUMENTE AUF DEM PRÜFSTAND„Ästhetik“ und „Hygiene“ um den Preis von Ästhetik und Hygiene?
Die Ästhetik der rasierten Scham und der angenommene hygienische Vorteil fungieren neben dem Verweis auf das Zeitgemäße als beliebteste Argumente gegen Intimbehaarung. Aber wie valide sind diese Argumente? Mit Sicherheit mögen Frauenbildnisse auf Leinwand oder retuschierte, mit Weichzeichner verfremdete Nacktfotografien eine ästhetische Wirkung auf den Betrachter ausüben. Ob sich diese idealisierten Körper in ihrer Formschönheit und Glätte, in ihrem himmlischen Glanz, auch auf dem hell ausgeleuchteten Boden der Tatsachen finden lassen, erscheint fraglich angesichts der Nebenwirkungen, die eine Schamrasur mit sich bringt. Die einzige Enthaarungsmethode, die das gewünschte Ergebnis erzeugen könnte, ist die Anwendung einer Enthaarungscreme, die aufgrund der darin enthaltenen Substanzen nicht für die Entfernung von Haaren im Intimbereich geeignet ist. Als Alternativen verbleiben Nassrasur und „Brasilian Waxing“, bei dem unter großen Schmerzen Schamhaare mittels Heißwachs entfernt werden. Die Nassrasur mit der Klinge kann Schnittverletzungen zur Folge haben. Die Klinge gleitet hier nicht in einem Rutsch über die Haut, wie das bei der Enthaarung muttermalloser Beine der Fall ist, sondern muss sich den Herausforderungen von Körperregionen stellen, die anatomisch wesentlich verwinkelter und unebener sind. Die Gefahr einer Verletzung ist somit stark erhöht. Damit einher geht auch die Gefahr einer Entzündung der Schnittwunden, in unglücklichen Fällen kann die Bildung von Abszessen das Ergebnis sein. Nach der Intimrasur können sich Pusteln und Pickel bilden: die Haut reagiert mit Abwehr. Eingewachsene Haare gehören ebenso zur dieser „Schönheit“, die ohne Leid nicht sein kann. Einmal entstandene Rasurpickelchen sind dann bei nachfolgenden Rasuren gefährdet, von der Klinge erneut geöffnet zu werden und der nach Ästhetik und Hygiene strebenden Frau blutige optische Reize zu bescheren. Damit die Frau in ihrem Leid nicht verzagt und um ihr die Frustration zu erleichtern, hat die Enthaarungsindustrie Beruhigungsmittel entwickelt, die sie – um den Schmerz zu mildern – auf die irritierte Haut auftragen kann. Der beschriebene Leidensweg aus Blut und Eiter ist allen Rasur praktizierenden Frauen bekannt. Eine Frau wendet sich mit ihrem Problem ans Brigitte-Forum: „Ich habe schon viele Möglichkeiten der Schamhaarentferunung ausprobiert: Rassieren, mit der Pinzette entfernen, Enthaarungscreme. Und immer war das Ergebnis, irritierte, entzundene Haut, eingewachsene Häärchen und Pickel. Bei den Nachrasuren immer wieder das Gleiche: jedes mal fangen die Pickelchen das Bluten an, die Stellen, wo die die Häärchen aus der Haut befreit werden, entzünden sich noch mehr, irritierte Haut. Irgenwie krieg ich das nicht mehr weg, aber es muss doch ein Lösung geben??? Weil schön sieht DAS wirklich nicht aus.“ Qudo vadis, Ästhetik? Quo vadis, Hygiene? Berichte wie diese sind kein Einzelfall. Aber immer noch, mit einer erstaunlichen Sturheit, wissen die gescheiterten Frauen zu verteidigen, was sie wollen bzw. was sie nicht wollen: Haare, wo sie angeblich nicht hingehören. Dass die Schambehaarung eine Schutzfunktion erfüllt, indem sie Bakterien daran hindert, in empfindliche Zonen einzudringen, lässt das Hygiene-Argument unberührt. Stattdessen wird den Schamhaaren die Funktion unterstellt, „schädliche“ Substanzen magisch anzuziehen. Etwa Urin, Menstruationsblut, Scheidenflüssigkeit, Kot, ganz so, als wäre Frauen der Gebrauch von Wasser zur Körperreinigung gänzlich unbekannt, als wären sie Tiere, die mit ihren unkontrolliert Revier markierenden, Übelgerüche verbreitenden Körperausscheidungen überall für Pestgefahr sorgten. Diese Argumentationsstruktur erscheint besonders absurd im Kontext sexueller Rechtfertigung, da beim Geschlechtsakt bekanntermaßen keine Sterilisationsmechanismen des Körpers bekannt sind, die bei der Umschlingung zweier Körper in Gang treten.
Das Sex-Argument
Wie valide ist das Argument der Schamhaarkritiker, dass Schamhaare sich der Erotik in den Weg stellen? Sowohl auf ästhetischer als auch auf praktischer Ebene (Oral-Sex) wird das Vorhandensein von Schamhaaren als „Abtörner“ dargestellt. Im Wikipedia-Artikel zu „Körperbehaarung“ jedoch heißt es: „Haare vergrößern nicht nur die Oberfläche des Körpers, sie verstärken auch die Sensibilität der Haut. Es gibt manche Körperstellen, die durch Streicheleinheiten erotisch gereizt werden - man spricht von erogenen Zonen der Haut. Berührt man nun die Haare, wird dieser so genannte taktile Reiz wegen der vergrößerten Oberfläche um ein Vielfaches verstärkt. Die Haare leiten die Berührung an die Haut weiter, wo es zu einem Verstärkereffekt kommt.“
Körperhaare stellen, wie wir am Beispiel der „Haarfetischisten“ gesehen haben, durchaus einen erotischen Reiz dar. Vielfach wird argumentiert, dass Pheromone, die über den Schamschweiß abgegeben werden, ihre Wirkung besser entfalten können, wo Schamhaare wachsen. Es geht also um den geschlechtsspezifischen Duft, der das erotische Erleben mancher Menschen verstärken kann: „Ich habe beim lecken festgestellt, dass Frauen mit Schamhaar wesentlich mer nach "FRAU" riechen als solche die rasiert sind. Und in 95% der Fälle riecht das ziemlich antörnend.“
Häufig wird auch die intensivierende Wirkung von Schamhaaren genannt: „Ich liebe das Gefühl von dichter und langer drahtiger Schambehaarung gestreichelt zu werden und solche zurück zu streicheln. Das überwiegt bei mir.“60, „Von mir aus kann es ruhig Wildwuchs sein. Ich habe dabei auch keine Vorbehalte gegen Oralverkehr. Ich mag es wenn mich lange drahtige und dicht Schambehaarung im Gesicht kitzelt. Das reizt mich zusätzlich neben der Optik und dem Gefühl darin rumzuwühlen.“ Dass Schamhaare nichts mit Erotik zu tun hätten, kann also ebenfalls als widerlegt gelten.
IV. ENTHAARUNGSPRAXEN UND ZIVILISATIONSPROZESSWie in der kritischen Ausleuchtung des diskursiven Phänomens „weibliche Körperbehaarung“ deutlich wurde, sind die Argumente, mit denen Körperhaargegner ihre Aversion verteidigen, nicht oder nur bedingt haltbar. Es konnte gezeigt werden, dass Ästhetik ein fragliches Konzept zur Beschreibung der rasierten Frau darstellt, betrachtet man den Schamhügel der Durchschnittsfrau, die mit Schnittwunden, Pickeln und eingewachsenen Härchen nicht mit einer engelsgleichen Skulptur mithalten kann. Dass sie einen hygienisch anstrebenswerten Vorteil dadurch hat, konnte ebenfalls wiederlegt werden. Einerseits sind Verletzungen das Musterbeispiel für hygienische Gefährdung, andererseits kann man auch auf die Schutzfunktion von Schamhaaren verweisen, auf dessen Genuss die Rasierte fortan verzichten muss. Auch das Sex-Argument kann uns nicht überzeugen. Es scheint, als würde bloß eine Empfindung gegen eine andere Empfindung eingetauscht, und nicht, wie manche Aussagen es suggerieren, das Unerotische gegen das Erotische, das Gefühlshemmende gegen das Gefühlsenthemmende. Lediglich der Präferenz für rasierte Geschlechtsteile im Kontext von Oralsex-Praktiken mag man eine gewisse Plausibilität bescheinigen. Wir konnten darüber hinaus feststellen, dass es sich bei den Begründungen für Aversion nicht um eine bloße Geschmacksfrage handelt. Denn wenn es so einfach wäre, würde das Thema keinen so kontrovers behandelten Diskursgegenstand bilden. Es geht bei der Aushandlung der Legitimität von Schambehaarung um eine normative Frage, um eine moralische Frage, um eine Frage nach dem Menschen selbst und seiner Verortung in der Gesellschaft.
Es stellen sich nach dieser Betrachtung einige Rätsel: wenn die Argumente, die vorgebracht werden, aus dem rational-pragmatischen Blickwinkel nicht valide sind, verschleiern sie die wahren Gründe? Wenn sie es tun, muss gefragt werden, welcher Natur diese Gründe sind und warum sie von vorgeschobenen Gründen (Ästhetik, Hygiene, Sexualempfinden) verschleiert, falls sie überhaupt bewusst werden.
Elias hat in seinem bekanntesten Werk „Über den Prozess der Zivilisation“ nachweisen können, dass das, was wir heute als Anstand schätzen und einander abfordern, sich seit dem Mittelalter (16. und 17. Jahrhundert) fortschreitend konstituiert hat. Der Prozess, der hinter diesen Entwicklungen steht, ist maßgeblich dadurch gekennzeichnet, dass Menschen aus Gründen des persönlichen Vorteils gezwungen waren, ihr Verhalten und ihre körperlichen Bedürfnisse zu beherrschen und zu zügeln. Elias hat, um diese besondere Entwicklung zu illustrieren, hauptsächlich die Etappen, die sich in mittelalterlichen Benimmbüchern und Tischzuchten spiegelten, untersucht, und konnte anhand ausgewählter Beispiele zeigen, dass Gefühle wie Scham und Peinlichkeit gegenüber den natürlichen Vorgängen des Körpers beständig zunehmen. Diese Stärkung selbstregulierender Mechanismen geht mit einer Zunahme des Ekelempfindens einher. Nach Elias ist die zunehmende Tabuisierung bestimmter Verhaltensweisen für die (ups, hier fehlt wohl Text.)
Das Prinzip lässt sich auch auf den gesellschaftlichen Umgang mit Körperbehaarung anwenden. Neben der Herstellung eines dem Menschen auch virtuell bewusst werdenden Interdependenzgefüges über die Werbung und andere Medienbotschaften, spielt die Allgegenwart des Internets auf dem Hintergrund der Globalisierung gewiss eine nicht zu unterschätzende Rolle. Über dieses Medium können beispielsweise Botschaften aus den USA über Dos&Don’ts der Herstellung des attraktiven Körpers auf direktem Wege zu uns dringen. Der öffentliche Diskurs ist für alle einsehbar, nicht umsonst habe ich Diskussionen in Internet-Foren zum Schwerpunkt meiner Untersuchung gemacht. Dem modernen Menschen fällt es leichter als früher, sich gesellschaftliche Regeln und Normen einzuverleiben. Waren seine Unsicherheiten früher Anlass, einen vertrauten Menschen um Ratschläge und Meinungen zu bitten, Ratgeberliteratur zu lesen oder sich auf das Kopieren des Verhaltens seiner nächsten Umgebung zu verlassen, „ergoogelt“ er sich heute die Antworten auf seine Fragen und landet in Diskussionsforen, die ihn aus den Sicherheiten seines sozialen Umfelds hinausheben in einen sehr viel größeren Zusammenhang, der die Ansichten von ganz unterschiedlichen Menschen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund vereint, wobei jedoch selten der Eindruck von Meinungspluralität entsteht. Kommunikativ wird ein Konsens hergestellt, bei dem das Legitime vom Illegitimen getrennt wird, und der sich schließlich in der sozialen Praxis, hier: der sozialen Praxis der Körpermanipulation, niederschlägt. Der Mensch, der nach Orientierung sucht, hat es also mit der „ganzen Welt“ zu tun. Selbiges lässt sich für die Partnersuche feststellen. Nachdem alternative Lebensentwürfe das Bild der in sich geschlossenen Kleinfamilie abgelöst haben, gewinnt der „Single“ gesellschaftliche Akzeptanz. „Single sein“ bedeutet heute nicht mehr ein Leben in der Abwesenheit einer geistig-sexuellen Beziehung, sondern ist häufig ein Synonym für Polygamie, oder zumindest für das Bewusstsein unendlicher Auswahloptionen auf dem Paarungsmarkt. Wer einen Partner sucht, kann das Internet zurate ziehen und die verfügbaren „Menschenräume“ nach den passenden Möglichkeiten absuchen. Mit Online-Dating und der Anonymität der Kontaktaufnahme geht aber eben auch einher, dass sich der Verlauf derselben nicht ohne weiteres kalkulieren lässt. Der anonyme Andere fordert uns ab, dass wir uns auf möglichst viele „Überraschungen“ einstellen müssen. Mit Elias gesprochen ist dabei derjenige im Vorteil, der „seine Affekte zu dämpfen vermag“, und das bedeutet für unser Beispiel, dass wir, im Unklaren darüber, mit wem wir es zu tun haben, im Vorteil sind, wenn wir unser Verhalten an einem gesamtgesellschaftlichen Standard ausrichten müssen, um das Risiko, unattraktiv zu wirken, kleinstmöglich zu halten.
Der Begriff des „Affektes“ muss jedoch modifiziert werden. Affekte, wie Elias sie versteht, haben wir unlängst gezähmt und unter Kontrolle gebracht. Aber weil die Entwicklung weitergeht, weil der Zivilisationsprozess nicht stehen bleibt, müssen andere Wege gefunden werden, den Grad der Zivilisiertheit zu steigern. Die Entfernung der Körperbehaarung ist ein Beispiel dafür, wie die Natur über Triebe und Emotionen hinaus gezähmt werden kann. Nach der erfolgreichen Zähmung der Triebe muss das Äußere des Körpers unter Kontrolle gebracht werden. Die Zivilisiertheit muss sichtbar gemacht werden, und zwar bis in die intimsten Bereiche hinein. Verwendeten unsere Vorfahren noch Zeit und Energie darauf, körperliche Ausscheidungsvorgänge und Sexualtriebe zu leugnen, so ist es heute die sichtbare Natürlichkeit, die geleugnet werden will. Der Mensch will die letzten Anzeichen dafür ausmerzen, dass er vom Affen abstammt. Nichts darf darauf hinweisen, dass wir Produkte einer Natur sind, die uns in der Hand hat. Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass zumindest der Eindruck entsteht, wir hätten sie in der Hand. Wir haben gesehen, was Elias meinte, als er davon schrieb, „wie jeder Einzelne auch von klein auf dazu gedrängt [wird], die Wirkung seiner Handlungen oder die Wirkung der Handlungen von Anderen über eine ganze Reihe von Kettengliedern hinweg zu bedenken.“ (s.o.). Werbung, Medien und Sozialisation durch prüfende und strafende Blicke, weitergegebene Erziehung und öffentlichen Diskurs stellen sicher, dass schon junge Menschen über die Konsequenzen dieser mangelnden „Körperhygiene“ erfahren und eine körperliche Aversion entwickeln, die rational nicht nachvollzogen werden kann. Es ist charakteristisch für die Veränderung des psychischen Apparats, „dass die differenziertere und stabilere Regelung des Verhaltens dem einzelnen Menschen von klein auf mehr und mehr als ein Automatismus angezüchtet wird, als Selbstzwang, dessen er sich nicht erwehren kann, selbst wenn er es in seinem Bewusstsein will.“ Fremdzwänge werden zu Selbstzwängen. Sie werden zu Neurosen, denen nicht anders begegnet werden kann als durch Anpassung an das geforderte Verhalten, das geforderte Aussehen. Die Erziehung zu Ekel ist dabei ein mächtiges, obgleich paradoxes Mittel: indem nämlich eine „natürliche“ Reaktion auf Körperhaare hergestellt wird, wird Aversion gegen Natürlichkeit erzeugt. Es kommt, wenn man so will, zur Rationalisierung des Natürlichen durch Naturalisierung des Normativen. Dem Abweichler bleiben angesichts heftiger Ekelreaktionen seitens der Gesellschaft kaum Handlungsoptionen, die nicht durch Ablehnung bezahlt werden müssten. „Heute legt sich der Ring der Vorschriften und Regelungen so eng um den Menschen, die Zensur und der Druck des gesellschaftlichen Lebens, die seine Gewohnheiten formen, ist so stark, dass es für den Heranwachsenden nur eine Alternative gibt: sich der gesellschaftlich geforderten Gestaltung des Verhaltens zu unterwerfen oder vom Leben in der „gesitteten Gesellschaft“ ausgeschlossen zu bleiben.“
Die „civilité“, die Höflichkeit, war im von Elias beschriebenen Mittelalter ein Mittel zur Affektbändigung und diente als Instrument im Prestigekampf, in dem der Einzelne zu Hofe seine Stellung zu sichern trachtete. Um die hierarchische Differenz zu betonen, veränderten der König und die Aristokratie die Regeln der Civilité und des Savoir-vivre.
Meine These ist, dass die Enthaarungspraxis nichts anderes ist als ein moderner Ausdruck dieser „Höflichkeit“ zur Maximierung des eigenen Vorteils im Geflecht von Interdependenzketten, also letzten Endes das Produkt des Zivilisationsprozesses. Dass die Entfernung von Körperhaaren tatsächlich zum „Anstand“ gehört, belegen die zahlreich geäußerten Anmerkungen, dass beispielsweise die Rasur des Intimbereiches eine „Selbstverständlichkeit“ sei. Offenbar handelt es sich bei der Rasur um eine Umgangsform, die für viele Menschen heute den Status guter Manieren besitzt, denn der empörte Hinweis auf die „Selbstverständlichkeit“ eines Verhaltens wird eben häufig dort gemacht, wo mit den Regeln der Höflichkeit gebrochen wird. Dass man sich für ein Geschenk bedankt, ist eine Selbstverständlichkeit. Dass man Rücksicht auf die Krankheit eines Freundes nimmt, ist eine Selbstverständlichkeit. Und es ist auch die Rücksicht auf das anonyme oder konkrete sexualisierte Gegenüber, das die Rasur des Intimbereiches gebietet. In diesem Sinne bedeutet der Bruch mit der Norm Rücksichtslosigkeit, Egoismus, den Mangel an Feingefühl, gar das Fehlen sozialer Kompetenzen.
Im Kapitel über das Überwachen und Strafen des behaarten Körpers habe ich die Bademeisterin erwähnt, die um das Wohl der kleinen Freibadbesucher besorgt war, die Gefahr liefen, von einem behaarten Badegast in einen Schockzustand versetzt zu werden. Die Rücksicht, die man zu nehmen hat, wird also ausgeweitet auf die gesamte Gesellschaft. Stets präsent sind die prüfenden Blicke, die strafenden Gesten. „Die verstärkte Neigung des Menschen, sich und andere zu beobachten, ist eines der Anzeichen dafür, wie nun die ganze Frage des Verhaltens einen anderen Charakter erhält: Die Menschen formen sich und andere mit größerer Bewusstheit als im Mittelalter.“ Daraus geht hervor, dass es um mehr geht als die durchaus nachvollziehbare Rücksicht auf die Wünsche und Bedürfnisse eines konkreten Partners. Gefordert wird die Rücksicht auf die Zivilisiertheit der eigenen Kultur, die Rücksicht auf den Stolz der Zivilisierten, die Rücksicht auf mühsam erkämpfte Errungenschaften, die den Menschen von der dämonisierten Natur trennen.
Elias’ Untersuchung der Tische ist meiner Untersuchung des weiblichen Körpers nicht unähnlich: auf beiden Oberflächen zeichnet sich der Prozess der Zivilisation ab. „Ehemals aß man aus der gemeinsamen Platte und tauchte Brot und Finger in die Soße. Heute ißt jeder mit Löffel und Gabel von seinem eigenen Teller, und ein Lakai wäscht das Besteck von Zeit zu Zeit am Büfett.“
Wurde vor nicht allzu langer Zeit der weibliche Körper so angenommen, wie die Natur ihn geschafft hatte, so wird er heute zum Objekt allgemeiner Besorgnis. Mit Klingen, Depiliergeräten und Enthaarungscremes wird der Körper „gereinigt“. Wie wir gesehen haben, geschieht dies nicht so sehr aus berechtigten hygienischen Gründen, als viel mehr auf symbolischer Ebene, wo die Hygiene dem Zivilisationsprozess als Scheinargument übergestülpt wird. Inwieweit man von einem Scheinargument sprechen kann ist allerdings fraglich, denn denjenigen, die das Argument äußern, gilt es als hinreichende und valide Begründung ihrer Aversion. Aber das verwundert nicht weiter, denn „die Zivilisation ist nichts „Vernünftiges“; sie ist nichts „Rationales“, so wenig sie etwas „Irrationales“ ist. Sie wird blind in Gang gesetzt und blind in Gang gehalten durch die Eigendynamik eines Beziehungsgeflechts, durch spezifische Veränderungen der Art, in der die Menschen miteinander zu leben gehalten sind.“ Die Gründe sind dem Menschen nicht bewusst, weil er sie unlängst verinnerlicht hat. Der Zivilisationsprozess hat sich in den Körper eingeschrieben. Der Ekel ist das Bewusstsein über das ekelhafte Wesen der Dinge, die einer Gesellschaft als ekelhaft gelten. Fremdzwänge werden zu Selbstzwängen, aber weil das Konzept des Fremdzwanges gegen das Freiheits- und Selbstbestimmungsideal des zivilisierten westlichen Menschen verstößt, werden die äußeren, als unangenehm repressiv empfundene Zwänge ummodelliert in andere, mit dem Selbstverständnis der Zivilisierten kompatiblere Empfindungen: Ästhetik, Ekel, (vermeintliches) sexuelles Selbstbewusstsein.

Das Gemälde „Der Ursprung der Welt“ von Courbet, das damals wie heute Empörung bei den Betrachtern auslöst(e), gewährt einen Blick zwischen die geöffneten Schenkel eines gesichtslosen weiblichen Aktmodells. Ihre Vulva ist von Schamhaaren bedeckt, die keinerlei Behandlung erfahren haben. Der Anblick wird als so unappetitlich empfunden wie das weit aufgerissene, Nahrung kauende Maul des „Trieb-Essers“ ohne Tischmanieren. Dieses Maul sagt: schau her, welche widerlichen Dinge meine Mundhöhle, mein Kiefer, meine Zunge mit dem Essen machen. Die behaarte Vulva sagt: schau her, was die Natur aus mir gemacht hat! Betrachte meine volle, reife Weiblichkeit! Mein Schoss ist wie die Natur, er bringt Leben hervor und lädt ein zur Produktion neuen Lebens. Die Antwort ist in beiden Fällen das ekelverzerrte Gesicht. Nimmt unser Esser aber Messer und Gabel zur Hand, hält den Mund beim Kauen geschlossen, lässt er nicht erkennen, dass er einen Verdauungsvorgang einleitet, der auf der Toilette enden wird, wird sein Verhalten als „selbstverständlich“ aufgefasst. Und die behaarte Frau? Die Reaktionen auf das Bildnis ihrer rasierten Scham wären allenthalben von einem Pornografie-Vorwurf begleitet. Aber Ekel ist nicht zu erwarten, schließlich zieht die Darstellung von Nacktheit sich durchgängig durch die Kunstgeschichte, ohne dass Museumsbesucher die Nase rümpfen. Doch die sauber enthaarte Scham würde nicht suggerieren: „Schau her, was die Natur aus mir gemacht hat!“ sondern: „Schau her, was ich aus der Natur gemacht habe! Ich habe sie erst gebändigt, dann ausgemerzt. Sie kann mir nichts. Ich triumphiere.“ Im Kampf mit der Körperbehaarung, dieser kleinen unbequemen Erinnerung an den Ursprung der Welt, geht der Mensch, so will er glauben, als Sieger hervor. Und der Zivilisationsprozess nimmt wieder seinen Lauf.
Jetzt Ende!!!